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Handwerk und Bau

Handwerkerstunde 2026: was welches Gewerk berechnet

Gesellenstunde rund 64 Euro netto, Meisterstunde rund 73 Euro: die Lohnuntergrenzen je Gewerk, der Preisanstieg 2026 und die Rechnung hinter dem Satz.

13. September 20265 Minuten LesezeitRedaktionell geprüft
Handwerker notiert Arbeitszeiten auf einem Stundenzettel neben Werkzeug und Angebotsmappe

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Bundesmittel kostet die Gesellenstunde 2026 rund 64 Euro netto, die Meisterstunde rund 73 Euro; zwischen Berlin mit 82,50 Euro und Mecklenburg-Vorpommern mit 58,80 Euro liegen 24 Euro.
  • Der Satz ist kein Lohn: Von 2.080 bezahlten Jahresstunden bleiben nach Urlaub, Feiertagen und Krankheit rund 1.643 geleistete und davon etwa 1.300 verrechenbare Stunden.
  • Mehrere Gewerke haben eigene Lohnuntergrenzen, im Dachdeckerhandwerk 16,60 Euro für Gelernte, im Maler- und Lackiererhandwerk seit 1. Juli 2026 16,13 Euro; sonst gelten 13,90 Euro.
  • Dachdeckungsarbeiten waren im Mai 2026 um 7,3 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Betonarbeiten nur um 3,6 Prozent: Ein Pauschalsatz für alle Gewerke führt in die Irre.

Eine Gesellenstunde lag im Frühjahr 2026 nach einer Befragung von 573 Handwerksbetrieben im Mittel bei rund 64 Euro netto, eine Meisterstunde bei rund 73 Euro. Regional reicht die Spanne von 58,80 Euro in Mecklenburg-Vorpommern bis 82,50 Euro in Berlin. Für Privatkunden kommen 19 Prozent Umsatzsteuer dazu, Betriebe rechnen netto und ziehen die Vorsteuer.

Was eine Handwerkerstunde 2026 tatsächlich kostet

Für 2026 gibt es zwei Arten von Zahlen. Die eine stammt aus einer im Mai 2026 veröffentlichten Betriebsbefragung: 573 Handwerksbetriebe nannten im Mittel 73 Euro netto für die Meisterstunde und 64 Euro für die Gesellenstunde. Gegenüber dem Vorjahr sind das 0,7 Prozent mehr bei Meistern und rund 3 Prozent bei Gesellen.

Regional gehen die Sätze weit auseinander. Berlin führt mit 82,50 Euro für die Meisterstunde, Mecklenburg-Vorpommern liegt bei 58,80 Euro. Den stärksten Sprung meldet Sachsen-Anhalt mit 69,67 Euro für Meister, rund 13 Prozent über dem Vorjahr, und 63 Euro für Gesellen, ein Plus von 11 Prozent. In zwei Ländern ging der Durchschnitt zurück: bei Gesellen in Hamburg auf 68,73 Euro, bei Meistern in Bremen auf 77 Euro.

Diese Befragung ist nicht repräsentativ. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks weist darauf hin, dass bei über 130 Gewerken und mehr als einer Million Betrieben die Streuung erheblich sein dürfte, und führt selbst keine Statistik über Stundensätze. Als grobe Orientierung taugen die Werte, als Maßstab für ein einzelnes Angebot nicht.

Die zweite Zahlenart kommt vom Statistischen Bundesamt und misst nicht Sätze, sondern Preise. Danach kosteten Bauleistungen an Wohngebäuden im Mai 2026 um 5,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Instandhaltungsarbeiten sogar 5,6 Prozent mehr. Wer 2026 dieselbe Leistung einkauft wie 2025, zahlt also rund ein Zwanzigstel mehr.

Woraus sich der Stundensatz zusammensetzt

Der Betrag auf der Rechnung ist nicht der Lohn des Gesellen. Das Statistische Bundesamt beziffert die Arbeitskosten im Baugewerbe für 2025 auf 39,60 Euro je geleisteter Stunde, über die gewerbliche Wirtschaft hinweg auf 45,00 Euro. Darin stecken Bruttolohn, Sozialbeiträge, bezahlte Ausfallzeiten und Weiterbildung. Seit 2020 sind diese Kosten am Bau um 26,9 Prozent gestiegen, von damals 31,20 Euro.

Dazu kommt, dass nicht jede bezahlte Stunde verkauft werden kann. Die Rechnung dahinter ist einfach: 52 Wochen zu 40 Stunden ergeben 2.080 bezahlte Jahresstunden. Nach 30 Urlaubstagen (240 Stunden), rund 10 Feiertagen (80 Stunden) und den 14,6 krankheitsbedingten Fehltagen, die das Statistische Bundesamt für 2025 im Schnitt ausweist (117 Stunden), bleiben etwa 1.643 geleistete Stunden. Ein Fünftel davon geht für Rüsten, Wege, Lager, Aufmaß und Gewährleistungsfälle drauf. Verrechenbar bleiben rund 1.300 Stunden.

Aus 39,60 Euro je geleisteter Stunde werden damit gut 49 Euro, die je verrechenbarer Stunde hereinkommen müssen, bevor ein Cent für Werkstatt, Fahrzeuge, Werkzeug, Versicherung, Büro und unbezahlte Angebotsarbeit übrig ist. Diese Gemeinkosten machen in üblichen Kalkulationen ein Viertel bis ein Drittel des Satzes aus.

Der Gewinn steht am Ende und ist der kleinste Posten. In der Beispielrechnung der Handwerkskammer Region Stuttgart bleiben von 61,42 Euro Verrechnungssatz genau 2,58 Euro Gewinn übrig, bei 19,61 Euro Gemeinkosten und 13,42 Euro Lohnnebenkosten. Wer einen Satz von 64 Euro für überzogen hält, rechnet meist mit dem Lohn und vergisst die anderen drei Viertel.

Lohnuntergrenze und Preisentwicklung 2026 nach Gewerk
GewerkTarifliche Lohnuntergrenze 2026 je StundePreise im Mai 2026 gegenüber Mai 2025
Dachdecker14,96 Euro ungelernt, 16,60 Euro gelerntDachdeckungsarbeiten 7,3 Prozent teurer
Zimmerer und Holzbaukein Branchenmindestlohn, daher 13,90 EuroZimmer- und Holzbauarbeiten 7,3 Prozent teurer
Elektrohandwerk14,93 EuroElektro- und Sicherheitsanlagen 6,4 Prozent teurer
Maler und Lackierer16,13 Euro gelernt, seit 1. Juli 2026Ausbauarbeiten 5,1 Prozent teurer
Heizung und Sanitärkein Branchenmindestlohn, daher 13,90 EuroHeiz- und Warmwasseranlagen 5,0 Prozent teurer
Gerüstbau14,35 Euro gelerntRohbauarbeiten 4,9 Prozent teurer
Beton- und Mauerarbeitenkein Branchenmindestlohn, daher 13,90 EuroBetonarbeiten 3,6 und Mauerarbeiten 3,8 Prozent teurer
Gebäudereinigung15,00 Euro Lohngruppe 1, 18,40 Euro Lohngruppe 6im Baupreisindex nicht erfasst

Lohnuntergrenzen: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Branchenmindestlöhne, Stand 2026. Preisentwicklung: Statistisches Bundesamt, Baupreise für Wohngebäude im Mai 2026, Angaben einschließlich Umsatzsteuer.

Die Lohnuntergrenzen je Gewerk

Nach unten ist der Spielraum gedeckelt. Der allgemeine Mindestlohn liegt seit 1. Januar 2026 bei 13,90 Euro je Stunde und steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro. Das Bundeskabinett hat die Verordnung dazu am 29. Oktober 2025 beschlossen, Grundlage war der Vorschlag der Mindestlohnkommission vom 27. Juni 2025. Die beiden Schritte entsprechen 8,42 und 5,04 Prozent, zusammen 13,88 Prozent.

Mehrere Gewerke liegen darüber, weil ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag gilt. Im Dachdeckerhandwerk sind es 2026 14,96 Euro für Ungelernte und 16,60 Euro für Gelernte, im Elektrohandwerk 14,93 Euro, im Gerüstbauerhandwerk 14,35 Euro. Das Maler- und Lackiererhandwerk zahlt Gelernten seit 1. Juli 2026 mindestens 16,13 Euro, vorher waren es 15,55 Euro. In der Gebäudereinigung reicht die Spanne von 15,00 Euro in Lohngruppe 1 bis 18,40 Euro in Lohngruppe 6.

Für Sie als Auftraggeber ist das die Prüfschwelle nach unten. Ein Betrieb, der die Gesellenstunde eines Dachdeckers für 35 Euro netto anbietet, hat mit Tariflohn, Sozialabgaben und nicht verrechenbarer Zeit bereits drei Viertel des Betrags verbraucht und noch kein Fahrzeug bezahlt. Solche Angebote enden regelmäßig in Nachforderungen oder in einer Baustelle, die niemand zu Ende führt.

Was neben der Stunde auf der Rechnung steht

Die Stunde ist selten der ganze Betrag. Üblich sind vier weitere Posten: An- und Abfahrt, Material, Kleinteile und Entsorgung. Wegezeit darf ein Betrieb als Arbeitszeit berechnen oder über eine Pauschale abrechnen, beides muss aber vorher vereinbart sein. Für Kleinteile wie Dübel, Dichtungen oder Schleifmittel ist ein prozentualer Zuschlag auf die Lohnsumme verbreitet; lassen Sie sich sagen, wie hoch er ist, statt ihn erst auf der Rechnung zu entdecken.

Material wird zum Einkaufspreis plus Aufschlag weitergegeben. Der Aufschlag deckt Beschaffung, Lagerung, Transport und die Haftung für das Produkt. Fragen Sie nach dem Fabrikat, nicht allein nach der Summe: Bei Armaturen, Leuchten oder Dachziegeln liegen zwischen zwei Qualitätsstufen schnell 40 Prozent Materialkosten.

Zuschläge für Abend-, Wochenend- und Feiertagsarbeit sowie für Notdienste sind Verhandlungssache und gehören ins Angebot, nicht in die Schlussrechnung. Bei der Umsatzsteuer trennen sich Privat- und Geschäftskunden: Die Preise des Statistischen Bundesamtes für Bauleistungen verstehen sich einschließlich Umsatzsteuer, die genannten Verrechnungssätze dagegen netto. Auf 64 Euro netto kommen 12,16 Euro Umsatzsteuer, macht 76,16 Euro brutto. Als vorsteuerabzugsberechtigter Betrieb rechnen Sie mit den 64 Euro.

Wie Sie einen Stundensatz im Angebot einordnen

Der Satz allein sagt wenig. Entscheidend ist das Produkt aus Satz und angesetzten Stunden. Ein Betrieb mit 78 Euro und 6 Stunden ist günstiger als einer mit 59 Euro und 9 Stunden, und er blockiert Ihre Räume kürzer. Verlangen Sie deshalb in jedem Angebot den Zeitansatz je Position statt einer bloßen Summe.

Holen Sie drei Angebote auf Grundlage derselben Leistungsbeschreibung ein. Unterschiedliche Beschreibungen erzeugen unterschiedliche Preise, und der Vergleich ist dann wertlos. Für klar umrissene Arbeiten vereinbaren Sie einen Pauschalpreis; für Arbeiten mit unbekanntem Untergrund, etwa Altbausanierung, sind Regiestunden ehrlicher, dann aber mit einer Obergrenze in Textform. Welche Preisform wie stark bindet, steht in unserem Beitrag zu Kostenvoranschlag und Angebot.

Lassen Sie Stundenzettel arbeitstäglich gegenzeichnen, mit Name, Uhrzeit und Tätigkeit. Ohne diesen Nachweis lässt sich später keine einzige Stunde bestreiten. Halten Sie außerdem fest, wer das Gerüst stellt, wer entsorgt und wer die Baustelle absichert: Diese drei Posten tauchen sonst als Nachtrag auf.

Eine erste Größenordnung liefert Ihnen der Handwerker-Kostenrechner, die Bewertung eines konkreten Schreibens der Angebots-Check. Gewerkspezifische Kriterien und Preisrahmen finden Sie auf den Branchenseiten, etwa für Elektriker oder Dachdecker.

Häufige Fragen

Sind die genannten Stundensätze netto oder brutto?

Die Verrechnungssätze von rund 64 Euro für Gesellen und 73 Euro für Meister sind Nettobeträge. Für Privatkunden kommen 19 Prozent Umsatzsteuer dazu, aus 64 Euro werden also 76,16 Euro. Betriebe mit Vorsteuerabzug rechnen mit dem Nettobetrag.

Warum verdient der Geselle nicht 64 Euro in der Stunde?

Vom Verrechnungssatz gehen Lohn, Sozialabgaben, bezahlte Ausfallzeiten, Gemeinkosten und Gewinn ab. Die Arbeitskosten im Baugewerbe lagen 2025 bei 39,60 Euro je geleisteter Stunde, und davon ist nur ein Teil Bruttolohn. In der Beispielrechnung der Handwerkskammer Region Stuttgart bleiben von 61,42 Euro genau 2,58 Euro Gewinn.

Darf ein Betrieb die Anfahrt zusätzlich berechnen?

Ja, wenn es vereinbart ist. Üblich sind entweder die Wegezeit zum vereinbarten Stundensatz oder eine Pauschale je Einsatz. Ohne Vereinbarung im Angebot fehlt dafür die Grundlage, deshalb gehört der Posten vor der Beauftragung geklärt.

Wie stark sind Handwerkerleistungen 2026 teurer geworden?

Bauleistungen an Wohngebäuden kosteten im Mai 2026 um 5,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Instandhaltungsarbeiten 5,6 Prozent mehr. Die Spanne je Gewerk ist groß: 7,3 Prozent bei Dachdeckungs- sowie Zimmer- und Holzbauarbeiten, 3,6 Prozent bei Betonarbeiten.

Was ändert sich beim Mindestlohn 2027?

Der allgemeine Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2027 von 13,90 auf 14,60 Euro, ein Plus von 5,04 Prozent. Im Elektrohandwerk greift dann eine Untergrenze von 15,49 Euro, im Gerüstbauerhandwerk von 14,90 Euro. Laufende Rahmenverträge sollten Sie vor dem Jahreswechsel darauf prüfen.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt: Baupreise für Wohngebäude im Mai 2026
  2. Statistisches Bundesamt: Eine Arbeitsstunde kostete im Jahr 2025 durchschnittlich 45,00 Euro
  3. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Branchenmindestlöhne
  4. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro
  5. Statistisches Bundesamt: Krankenstand
  6. Handwerkskammer Region Stuttgart: Wie viel kostet eine Handwerkerstunde?
  7. handwerk.com: Preisatlas Handwerk 2026, Stundensätze im Land gestiegen