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Handwerk und Bau

Dachdecker

Was Dacharbeiten 2026 kosten, welche Nachweise zählen und was ins Angebot gehört.

Dachdecker

Ein Dachdeckerbetrieb stellt 2026 für die Gesellenstunde üblicherweise 58 bis 85 Euro netto in Rechnung. Den Boden legt der allgemeinverbindliche Tariflohn: Seit dem 1. Januar 2026 liegt er bei 14,96 Euro für ungelernte und 16,60 Euro für gelernte Beschäftigte. Auf der Rechnung machen Gerüst, Material und Entsorgung bei einer Neueindeckung aber oft mehr aus als die reine Arbeitszeit. Dachdeckungsarbeiten verteuerten sich laut Statistischem Bundesamt im Februar 2026 um 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für Ihr Angebot zählt weniger der Stundensatz als die Frage, was darin steckt. Gerüst, Absturzsicherung, Abtransport des Altmaterials und die Prüfung auf Asbest sind eigene Kostenblöcke. Wer sie im Angebot sucht und nicht findet, bekommt sie später als Nachtrag. Mängelansprüche an einem Bauwerk verjähren nach § 634a BGB fünf Jahre nach der Abnahme, deshalb lohnt ein Protokoll am Tag der Übergabe.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

Eintrag in der Handwerksrolle

Das Dachdeckerhandwerk steht unter Nummer 4 der Anlage A zur Handwerksordnung und ist damit zulassungspflichtig. Selbstständig ausüben darf es nur, wer in der Handwerksrolle eingetragen ist. Lassen Sie sich die Handwerkskarte oder einen aktuellen Auszug zeigen, bevor Sie unterschreiben.

Gerüst und Absturzschutz

Absturzsicherungen sind an Arbeitsplätzen ab mehr als 2,00 Meter Pflicht, an Verkehrswegen, Wandöffnungen und freiliegenden Treppenläufen schon ab mehr als 1,00 Meter. Auf Flächen bis 22,5 Grad Neigung und höchstens 50 Quadratmetern Grundfläche entfallen sie bis 3,00 Meter, wenn besonders unterwiesene Fachkräfte arbeiten. Ein Angebot ohne Gerüstposition ist unvollständig.

Baujahr vorher mitteilen

Nach § 5a der Gefahrstoffverordnung geben Sie als Auftraggeber dem Betrieb vor Arbeitsbeginn das Baujahr schriftlich oder elektronisch bekannt. Liegt das Baujahr zwischen 1993 und 1996, ist zusätzlich das Datum des Baubeginns gefragt. Davon hängt ab, ob mit Asbest in Faserzementplatten oder Dachbahnen zu rechnen ist.

Dämmung gleich mitplanen

Wer das Dach ohnehin öffnet, sollte die Nachrüstpflicht kennen. Oberste Geschossdecken müssen einen Wärmedurchgangskoeffizienten von höchstens 0,24 Watt je Quadratmeter und Kelvin erreichen. Die Pflicht gilt als erfüllt, wenn stattdessen das darüberliegende Dach entsprechend gedämmt ist. Getrennt beauftragt kostet dieselbe Dämmung deutlich mehr, weil das Gerüst zweimal steht.

Freistellungsbescheinigung anfordern

Beauftragen Sie als Unternehmer eine Bauleistung, behalten Sie 15 Prozent der Gegenleistung als Bauabzugsteuer ein und führen sie ab. Das entfällt mit einer gültigen Freistellungsbescheinigung oder wenn die Gegenleistung im Kalenderjahr voraussichtlich unter 5.000 Euro bleibt. Bei ausschließlich steuerfreien Vermietungsumsätzen liegt die Grenze bei 15.000 Euro.

Abnahme mit Protokoll

Die Verjährung beginnt mit der Abnahme, nicht mit der Rechnung. Halten Sie Termin, Zustand und offene Punkte fest, am besten mit Fotos von First, Traufe und Anschlüssen. Ohne Protokoll streiten beide Seiten später über den Fristbeginn und darüber, welcher Mangel schon bei der Übergabe sichtbar war.

Preisrahmen

Was üblicherweise berechnet wird

Preisrahmen Dachdecker, Stand 2026
LeistungÜbliche SpanneHinweis
Gesellenstunde58 bis 85 Euro nettoaus Tariflohn 16,60 Euro und Kammer-Kalkulation abgeleitet
Anfahrt und Kleinauftrag45 bis 95 Euro nettomeist pauschal, oft mit einer Mindestzeit von 1 Stunde
Arbeits- und Schutzgerüst8 bis 15 Euro je QuadratmeterStandzeit üblicherweise 4 Wochen, danach Miete je Woche
Steildach neu eindecken90 bis 180 Euro je QuadratmeterOrientierung, je nach Ziegel, Lattung und Dachform
Flachdach abdichten60 bis 130 Euro je QuadratmeterOrientierung, zweilagige Bitumenbahn oder Kunststoffbahn
Zwischensparrendämmung60 bis 120 Euro je QuadratmeterOrientierung, mit Dampfbremse und innerer Bekleidung
Asbestzementplatten entsorgen25 bis 50 Euro je QuadratmeterZuschlag für Absperrung, Schutzausrüstung und Deponie

Die Stundenspanne folgt dem Tariflohn und dem Kalkulationsbeispiel der Handwerkskammer zu Köln, das einen Verrechnungssatz von 70,99 Euro netto ausweist. Die Flächenpreise sind Orientierungswerte ohne amtliche Grundlage und schwanken mit Dachform, Zugang und Materialwahl; einzelne Angebote liegen deutlich darüber oder darunter.

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Häufige Fragen

Braucht ein Dachdecker einen Meisterbrief?

Für die selbstständige Ausübung ja. Das Dachdeckerhandwerk ist Nummer 4 der Anlage A zur Handwerksordnung und damit zulassungspflichtig. Angestellte Gesellen arbeiten ohne Meisterbrief, der Betrieb selbst braucht den Eintrag in der Handwerksrolle.

Wer bezahlt das Gerüst?

In der Regel der Auftraggeber, sofern nichts anderes vereinbart ist. Rechnen Sie mit 8 bis 15 Euro je Quadratmeter Gerüstfläche für eine erste Standzeit von rund 4 Wochen. Nutzen mehrere Gewerke dasselbe Gerüst, lässt sich der Betrag aufteilen, das gehört aber vorher in den Vertrag.

Wie lange kann ich Mängel geltend machen?

Bei einem Bauwerk fünf Jahre ab Abnahme, geregelt in § 634a Absatz 1 Nummer 2 BGB. Für Werke ohne Bauwerksbezug, etwa eine reine Wartung, sind es zwei Jahre. Hat der Betrieb einen Mangel arglistig verschwiegen, greift die regelmäßige Verjährungsfrist, die Fünfjahresfrist wird dadurch aber nicht unterschritten.

Warum fragt der Betrieb nach dem Baujahr?

Weil § 5a der Gefahrstoffverordnung Sie zu dieser Auskunft verpflichtet. Bei Baujahren zwischen 1993 und 1996 ist zusätzlich das Datum des Baubeginns zu übermitteln, sonst reicht die Jahreszahl. Ältere Faserzementplatten und Dachbahnen können Asbest enthalten, was Schutzmaßnahmen und Entsorgungskosten auslöst.

Muss ich als Unternehmer Bauabzugsteuer einbehalten?

Ja, 15 Prozent der Gegenleistung, wenn der Betrieb keine gültige Freistellungsbescheinigung vorlegt. Die Freigrenze liegt bei 5.000 Euro je Betrieb und Kalenderjahr, bei ausschließlich steuerfreien Vermietungsumsätzen bei 15.000 Euro. Wer den Abzug versäumt, haftet für den Betrag.

Wann lohnt eine Dachwartung?

Bei Steildächern hat sich ein Rhythmus von 2 Jahren eingebürgert, bei Flachdächern eine Kontrolle je Halbjahr, weil Abläufe zuwachsen. Eine Wartung kostet weniger als ein Wassereintritt und hält die Herstellergarantie für die Abdichtung am Leben.

Quellen

  1. Handwerksordnung, Anlage A: zulassungspflichtige Handwerke
  2. Gefahrstoffverordnung § 5a: Informationspflichten des Veranlassers
  3. BGB § 634a: Verjährung der Mängelansprüche
  4. EStG § 48: Steuerabzug bei Bauleistungen
  5. GModG § 35: Nachrüstung eines bestehenden Gebäudes
  6. BMAS: Branchenmindestlöhne
  7. Statistisches Bundesamt: Baupreise für Wohngebäude im Februar 2026
  8. BG BAU: Baustein-Merkheft Arbeiten auf Dächern
  9. Handwerkskammer zu Köln: Kalkulieren, aber richtig